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Geschichte des Städtischen Abwasserbetriebes

Historische Daten

  • 1872 Beginn des Baus der Kanalisation
  • 1896 Erste Kläranlage »Schietenpadder«
  • 1891-94 wesentliche Erweiterung der Kanalisation
  • 1952 VEB (K) Wasserwirtschaft (Kreis Güstrow)
  • 1964 VEB WAB Schwerin (Bezirk Schwerin)
  • 1967 Bau der Kläranlage Güstrow-Parum
  • 1986 Wesentliche Modernisierung der Kläranlage
  • 1992 Gründung der Westmecklenburger Wasser GmbH
  • 1992-93 Gründung des Städtischen Abwasserbetriebes, Betriebsführung durch die Stadtwerke Güstrow
  • 2000-01 Gründung der Abwasser Parum GmbH, Neubau der Kläranlage Güstrow-Parum

Geschichte der Kanalisation in Güstrow

Die wohl wichtigste der Städtefragen lautet: Wohin mit dem Abwasser?
»Seitdem die Menschen in Städten wohnen, bildet die Frage der Beseitigung der menschlichen Excremente auf eine der Gesundheit unschädliche, die ästhetische Anforderung nicht verletzende Weise, eine der Kardinalfragen des Gemeinwesens.« Mit diesen einleitenden Worten bietet eine Maschinenfabrik aus Brünn im März 1874 ihr »pneumatisches System zur geruchlosen Aushebung und Abfuhr der Fäkalmassen aus Senkgruben« der Stadt Güstrow an.

Selbstverständlich bestand auch zu dieser Zeit ein entsprechender Bedarf in Güstrow. Allerdings gingen die Gedanken in eine andere Richtung, nämlich die Errichtung einer Kanalisation.
Wie in anderen deutschen Städten auch, wurde in Güstrow ab Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Errichtung von so genannten »Abtritten« begonnen, von denen aus die menschlichen Exkremente in »Senkgruben« oder auch »Abtrittsgruben« aufgefangen wurden. Einige Gebäude verfügten möglicherweise auch schon deutlich früher über solche Abtritte. Das Regenwasser der Stadt, nicht selten vermischt mit Kot, Urin, Abfällen aber auch tierische Exkrementen floss über Rinnsteine und Gossen, sofern vorhanden, dem Stadtgraben oder der Nebel zu, eine wirklich übel riechende Angelegenheit.

Die große Anzahl der Senkgruben führte durch ihre undichte »Bauweise« zur Verschmutzung des Untergrundes, des Grundwassers und des Oberflächenwassers. Eine »Weiterentwicklung der Abwasserbeseitigung« verbesserte die Situation nicht gerade: Insbesondere am Stadtgraben und an der »Alten Nebel« gelegene Grundstücke versahen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Senkgruben mit Überlaufleitungen, welche mit einem Schlammfang, einem so genannten »Schlammbassin« oder »Sinkkasten«, versehen waren.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Straßen vollständig befestigt und es entstand der Bedarf eine gezielte Ableitung des Oberflächenwassers vorzunehmen. So entstanden nach den Plänen des Herrn Baudirektor Krieg ab 1870 die ersten Kanäle und Siele, z.B. im Grünen Winkel, der Hollstraße und dem Katrepel, dem Tiefen Tal und der Wasserstraße aber auch am Markt und dem Pferdemarkt.
»Plan vom Grünen Winkel des Herrn Baudirektor Krieg von 1871«, Quelle: Stadtarchiv Güstrow.
Als Siele bezeichnete man die Tonrohrleitungen und als Kanäle die gemauerten Profile größerer Nennweite, wobei in Güstrow ausschließlich das Eiprofil eingesetzt wurde. Die Rinnsteine wurden mit "Trummen" (heute Straßenabläufe) versehen, die das Oberflächenwasser den Sielen und Kanälen zuführte. Insbesondere das System der Siele wurde zügig erweitert. Grundgedanke dieser Kanalisation war, das Abwasser möglichst auf kürzestem Wege der Vorflut zuzuführen. So entstanden zahlreiche Auslässe in die Nebel und den Stadtgraben.

1873 wurde durch Friedrich Franz von Mecklenburg die erste Satzung der Stadt Güstrow, das »Statut betreffend die Benutzung der Sielanlagen in Güstrow seitens der Anwohner« bestätigt und genehmigt. Danach war es gestattet, das von Dach- und Abfallrinnen sowie den Tüschen (bezeichnet den schmalen Gang zwischen zwei Häusern) anfallende Regenwasser unterirdisch abzuleiten. Die Ableitung der flüssigen Phase von Senkgruben musste gesondert genehmigt werden. Das Ausschütten oder Hineinkehren fester Stoffe in die Sielroste oder Rinnsteine war bei Strafe verboten. Hier drohte eine Geldbuße von 60 Mark, gemessen am damaligen Einkommen eine äußerst harte Strafe.

Diese Sielanlage wurde 1890 vom Vermesser H. Schuldt umfassend gemessen und kartiert. Bereits 1887 befasste man sich mit dem Umbau der vorhandenen Kanalisation. So erarbeitete der Ingenieur W. Kümmel, Direktor der Gas- und Wasserwerke zu Altona, von 1887 bis 1889 das Projekt einer neuen Sielanlage unter Beachtung der vorhandenen Kanalisation. Insbesondere in den Jahren 1890-1895 entstand ein Großteil der Kanalisation im alten Stadtgebiet. Dabei wurden auch vorhandene Kanäle, wie z.B. der des Grünen Winkels (dieser wurde bei Sanierungsarbeiten an der Bibliothek vor einigen Jahren unterhalb des Gebäudes wieder entdeckt) ganz oder teilweise aufgegeben.

Grundgedanke dieser »neuen Kanalisation« war es, das Abwasser der Stadt möglichst zentral und weit entfernt von der Stadt in die Nebel zu leiten. Gegen dieses Ansinnen wehrte sich die Rostocker Bürgerschaft bereits 1889 in Besorgnis um ihre Wasserversorgung aus der Warnow und verlangte den Bau von Klärbecken oder Rieselfeldern.

Auch wenn der überwiegende Anteil der menschlichen Excremente über die »verschlossene Eimer-Abfuhr« seitens des Abfuhr-Instituts, dass auch den Haus- und Straßenkehricht beseitigte, entsorgt wurde, so gelangten dennoch genügend Fäkalien in die Kanalisation und in die Vorflut. Angesichts der Ableitung der Abwässer von Wasserklosetts, den Überläufen von Senkgruben oder aber auch das Ausleeren der Nachtgeschirre über die Siele waren die Bedenken der Rostocker Bürger durchaus nachzuvollziehen.

Während man 1890 in der Stadt Güstrow noch über den Bau von Rieselfeldern ähnlich denen der damaligen Zuckerfabrik in der Speicherstraße nachdachte, entschließt man sich 1893 zum Bau eines Klärbeckens in der Gliner Weide, bestehend aus Schlammfang, Schleuse, Absetzstrecke, Ablaufgitter und überströmten Erddämmen. Diese existiert in seiner Grundform heute noch, liegt zwischen dem Industriegelände und dem Güstrow-Bützow-Kanal als Wasserfläche in einem Schilfgebiet und ist dem Volksmund als »Schietenpadder« bekannt.

Um eine Überlastung der Kanalisation und der Kläranlage zu vermeiden, wurden zwischen 1896-1900 mehrere Notüberläufe in die Nebel und den Stadtgraben errichtet. Die seit 1873 wirksame Satzung wird 1889 durch das "Statut betreffend den Anschluß der bebauten Grundstücke an die Straßencanäle im Bezirke der Stadt Güstrow" ersetzt. In ihr sind neue technische Erfordernisse konkreter geregelt, der Anschluss von Wasserklosetts wird endgültig rechtlich ermöglicht, vor allem aber wird die Sielabgabe eingeführt. Dazu ist folgendes nachzulesen: »Die Höhe der zu zahlenden Sielabgabe wird alljährlich vom Magistrate unter stadtverfassungsmäßiger Mitwirkung des Bürgerausschusses festgestellt und darf mehr als 3% des Miethswerthes nicht betragen.«

Für den Bau der von Direktor W. Kümmel projektierten Kanalisation musste die Kämmerei der Stadt Güstrow damals ca. 500.000,-- Mark aufwenden. 1892 sind bereits 696 Häuser an die Sielanlage angeschlossen und bringen eine Jahreseinnahme von 13.217,10 Mark in die Stadtkasse. Die Kanalisation des Ingenieur W. Kümmel existiert in vielen Teilen heute noch.
Um 1895 errichtetes Abwasserbauwerk vor seiner Sanierung im Jahr 2006. Foto: G. Lübars.
Seine Leistung ist hoch einzuschätzen, da er eine Kanalisation projektierte, die selbst heutige Ansprüche weitestgehend erfüllt. Die vorhandenen Siele, also die Tonrohrleitungen werden gegenwärtig auf Grund Ihres baulichen Zustandes nach und nach erneuert. Die gemauerten Kanäle, die ältesten davon über 130 Jahre alt, sind in Ihrer Bausubstanz überwiegend erhaltungswürdig und werden mit modernen Verfahren saniert und so hoffentlich für die nächsten 130 Jahre fit gemacht.
Entwicklung von 1964 bis heute
Mit Gründung des VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (WAB) Schwerin im Jahre 1964 übernahm dieser die städtischen Abwasseranlagen und war für die Abwasserbeseitigung und -behandlung zuständig. Diese Aufgabe wurde ab 1990 vorübergehend der aus dem VEB WAB hervorgegangenen Westmecklenburger Wasser GmbH (WMW) übergeben.

Nachdem durch Beschluss der Stadtverordneten vom 14. Dezember 1992 der Städtische Abwasserbetrieb als Eigenbetrieb der Stadt (wieder) gegründet worden war, beauftragte man die Stadtwerke Güstrow, für diesen mit Wirkung zum 1. Januar 1993 die technische und kaufmännische Betriebsführung zu übernehmen.

Heute ist der Städtische Abwasserbetrieb Güstrow (Betriebsführung Stadtwerke Güstrow) für die ordnungsgemäße Entsorgung sowohl des Abwassers als auch des Oberflächenwassers zuständig. In der kaufmännischen und technischen Betriebsabwicklung des Abwasserbetriebes arbeiten 13 Mitarbeiter der Stadtwerke.
Ihre wesentlichen Aufgaben umfassen Unterhaltung und Betrieb, Instandhaltung und Reparatur, Investitionen, Anschlusswesen und Technische Verwaltung.

Am Standort Industriegelände (Betriebshof) sind 12 Mitarbeiter der Stadtwerke Güstrow für die technische Betriebsführung des Städtischen Abwasserbetriebes zuständig.

Das öffentliche Kanalnetz der Stadt Güstrow besteht zurzeit aus ca. 185 km Kanalnetz, wovon ca. 48 km Mischwasserkanäle sind. Das Mischsystem ist überwiegend in der Altstadt und den Vorstädten anzutreffen und leitet das Schmutz- und Regenwasser zur Kläranlage. Der Rest der Stadt entwässert im Trennsystem. Das Schmutzwasser wird über Schmutzwasserkanäle der Kläranlage zugeführt, das Regenwasser läuft über Regenwasserkanäle und Regenrückhaltebecken in die Gewässer der Stadt. Die Regenrückhaltebecken dienen, wie der Name schon sagt, der Rückhaltung sowie der mechanischen Reinigung des leicht verschmutzten Niederschlagswassers. Von diesen Becken gibt es inzwischen 45 Stück im Stadtgebiet, welche fast alle weitestgehend naturnah gestaltet sind.

Nicht alles funktioniert im freien Gefälle: 42 Abwasserpumpwerke im Stadtgebiet bringen das Abwasser wieder auf die richtige Höhe. Diese Pumpwerke sowie 92 Hauspumpwerke werden kontinuierlich von zwei Monteuren betreut. Für die Reinigung der Kanalisation, der Pumpwerke und der Straßeneinläufe sind zwei Kanalreinigungsfahrzeuge ständig im Einsatz. Die Mitarbeiter auf diesen Fahrzeugen haben alle eine Ausbildung als Kanalreiniger absolviert.

Der Städtische Abwasserbetrieb beschäftigt kein eigenes Personal. Die mit der kaufmännischen und technischen Betriebsabwicklung befassten 13 Mitarbeiter der Stadtwerke sind im Wesentlichen für folgende Aufgaben zuständig: Anschlusswesen, Betrieb, Instandhaltung, Erweiterung und technische Betreuung der Abwasseranlagen der Stadt Güstrow.

Kontakt

Städtischer Abwasserbetrieb Güstrow
Stadtwerke Güstrow GmbH


Zum Hohen Rad 48
18273 Güstrow

Tel.: (03843) 288 0
Fax: (03843) 288 200


Betriebshof:


Industriegelände 26
18273 Güstrow